René Kollo ist ein deutscher Opern- und Operettensänger. Bekannt wurde der Tenor vor allem durch anspruchsvolle Partien in Werken Richard Wagners. Zu seinen zentralen Rollen gehörten Lohengrin, Parsifal, Siegfried, Tristan und Walther von Stolzing. Die Aufführungsdatenbanken der Bayreuther Festspiele, der Wiener Staatsoper und der Metropolitan Opera in New York belegen internationale Engagements zwischen 1969 und 1991.
Wer ist René Kollo?
René Kollo wurde am 20. November 1937 in Berlin geboren. Er entstammt einer Musikerfamilie: Sein Großvater Walter Kollo und sein Vater Willi Kollo waren als Komponisten von Operetten und Unterhaltungsmusik tätig. Nach Angaben von Berlin Classics besuchte Kollo nach dem Krieg das Carl-Hunnius-Internat in Wyk auf Föhr und anschließend eine Fotoschule in Hamburg.
Bevor er sich der Oper zuwandte, spielte Kollo als Autodidakt Schlagzeug, Kontrabass und Gitarre. In Berlin nahm er Schauspielunterricht bei Else Bongers und ließ seine Stimme von der Opernsängerin Elsa Varena ausbilden. Zunächst arbeitete er als Schlagersänger. 1961 wurde er mit einer deutschen Version von „Hello Mary Lou“ einem breiteren Publikum bekannt.
Der Weg vom Schlager zur Oper
Seine Opernlaufbahn begann 1965 am Staatstheater Braunschweig.
1967 wechselte Kollo an die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg. Dort entwickelte er sich vom lyrischen Tenor zum Heldentenor. Dieses Stimmfach verlangt Durchsetzungskraft über ein großes Orchester und zugleich Ausdauer für lange, dramatisch anspruchsvolle Rollen. Als Heldentenor übernahm er anschließend zahlreiche große Wagner-Partien.
Karriere bei den Bayreuther Festspielen
Das Aufführungsarchiv der Bayreuther Festspiele verzeichnet René Kollo erstmals 1969. Er sang damals den Steuermann in „Der fliegende Holländer“ sowie Kunz Vogelgesang in „Die Meistersinger von Nürnberg“. Danach übernahm er 1970 Erik und Froh, 1971 und 1972 die Titelpartie in „Lohengrin“ sowie 1973, 1974 und 1976 Walther von Stolzing.
Weitere zentrale Bayreuther Aufgaben waren Parsifal von 1975 bis 1977, Siegfried von 1976 bis 1978 und Tristan in den Jahren 1981 und 1982. Besonders prägend war seine Mitwirkung als Siegfried im sogenannten „Jahrhundertring“, den Pierre Boulez dirigierte und Patrice Chéreau inszenierte. Die Produktion entstand 1976 zum hundertjährigen Bestehen der Festspiele.
Internationale Auftritte und Repertoire
Kollo gastierte an bedeutenden Opernhäusern außerhalb Deutschlands. Das Archiv der Metropolitan Opera dokumentiert sein dortiges Debüt am 4. November 1976 als Lohengrin. Im Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper erscheinen neben Wagner-Rollen auch Florestan in Beethovens „Fidelio“, Hermann in Tschaikowskis „Pique Dame“, Laca in Janáčeks „Jenůfa“ und der Kaiser in Richard Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“.
An der Deutschen Oper Berlin trat er erstmals 1973 als Wladimir in Alexander Borodins Oper „Fürst Igor“ auf.
Sein Repertoire reichte damit weit über Wagner hinaus. Er interpretierte außerdem Operette und Unterhaltungsmusik und wirkte in Fernsehproduktionen mit. Als Regisseur inszenierte er 1986 „Parsifal“ in Darmstadt und 1991 Eugen d’Alberts „Tiefland“ in Ulm.
Seine umfangreiche Diskografie umfasst Aufnahmen unter Dirigenten wie Leonard Bernstein, Herbert von Karajan, Carlos Kleiber, Marek Janowski und Georg Solti. Die Deutsche Grammophon würdigte seine stilistische Bandbreite 2017 mit der Veröffentlichung „From Mary Lou to Meistersinger“. 2022 erschien bei Berlin Classics gemeinsam mit Jay Alexander das Album „Romantische Abendlieder“.
Auszeichnungen und öffentliche Würdigung
Der Österreichische Musiktheaterpreis führt René Kollo als Kammersänger und zeichnete ihn 2019 für sein Lebenswerk aus.
Persönliches Leben
Die Bayreuther Festspiele und Berlin Classics dokumentieren eine frühere Ehe mit der dänischen Sängerin Dorthe Larsen, die als Dorthe Kollo bekannt wurde. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Nathalie. Berlin Classics nennt außerdem eine Ehe mit der Tänzerin Béatrice Bouquet von 1982 bis 2006 und drei gemeinsame Kinder. Zum aktuellen Familienstand machen die genannten Quellen keine eindeutige Angabe.
Häufig gestellte Fragen
Wie begann René Kollos musikalische Karriere?
René Kollo begann zunächst als Schlagersänger. 1961 wurde er mit der deutschen Version von „Hello Mary Lou“ bekannt, bevor er 1965 seine Opernlaufbahn in Braunschweig begann.
Wann trat René Kollo erstmals bei den Bayreuther Festspielen auf?
Sein Bayreuth-Debüt gab er 1969 als Steuermann in „Der fliegende Holländer“ und als Kunz Vogelgesang in „Die Meistersinger von Nürnberg“.
Welche Rollen sang René Kollo in Bayreuth?
Zu seinen Bayreuther Partien gehörten der Steuermann, Kunz Vogelgesang, Erik, Froh, Lohengrin, Walther von Stolzing, Parsifal, Siegfried und Tristan.
Welche Rollen sang René Kollo außerhalb des Wagner-Repertoires?
An der Wiener Staatsoper sang er unter anderem Florestan in „Fidelio“, Hermann in „Pique Dame“, Laca in „Jenůfa“ und den Kaiser in „Die Frau ohne Schatten“.
Welche bekannten Aufnahmen gibt es mit René Kollo?
Zu seinen bekannten Einspielungen gehören Beethovens „Fidelio“ unter Leonard Bernstein und Wagners „Tristan und Isolde“ unter Carlos Kleiber.
Fazit
René Kollo etablierte sich im späten 20. Jahrhundert als international gefragter deutscher Heldentenor. Seine Laufbahn führte vom Schlager über Braunschweig und Düsseldorf zu den Bayreuther Festspielen und großen Opernhäusern. Besonders seine Wagner-Partien prägten sein künstlerisches Profil; Operette, Fernsehen, Regiearbeiten und spätere Aufnahmen zeigen zugleich die Breite seiner Laufbahn.
